14. Dezember 2020

Ein Bericht über unsere Versuche, die Veränderungen zu spüren und einzuleiten, denen unsere Bauern unterworfen sind – sie sind nicht nur Opfer von unvermeidlichen Umständen. Vielmehr wollen wir entdecken, dass es unter veränderten Bedingungen möglich ist nicht nur zu „überleben“, sondern nach dem Motto „mit der Dürre zu leben“, eine Normalität zu schaffen, die nicht mehr auszuschalten ist.
 
    An irgendeiner Stelle muss man anfangen, die Tatsachen zu artikulieren und Folgerungen daraus zu übernehmen. Der Bereich unserer Aktionen umfasst seit Jahren ein Gebiet von 10 „municípios“ (vergleichbar mit deutschen Landkreisen, aber mit geringerer Bevölkerungsdichte). Dieses Gebiet entspricht der Pfarrei, in der ich 34 Jahre lang Pfarrer war. Heute hat dieses Gebiet 7 Pfarreien, dazu drei Pfarreien der Nachbardiözese. Das Gebiet der Pfarrei „São Francisco de Assis“, abgepfarrt von der Großpfarrei Simplício Mendes, hat eine seltene Eigenart: in der Stadt wohnen 1.700 Einwohner, während auf dem Land mehr als doppelt soviel Einwohner wohnen, alles Bauern auf eigenem Land. In einigen Fällen ist der Landbesitz so klein, dass er nicht mehr aufgeteilt werden kann. Die Mindestgröße ist gesetzmäßig bestimmt. Wir sind uns bewusst, dass es nicht unsere Aufgabe ist, politische Verantwortung zu übernehmen. Aber es ist uns auch klar, dass wir uns nicht darauf beschränken dürfen, mit den Leuten das „Vater unser“ einzuüben. In diesem „Vater-unser“ lehrt uns Jesus ja um das tägliche Brot zu beten. So haben wir in der Satzung unserer Fraternitaet stehen: „Wir inspirieren uns an der Mysthik des Evangeliums Jesu, an der franziskanischen Spiritualität und an der ‚Option für die Armen‘ der Kirche Brasiliens.“
    Das verlangt eine klare Erkenntnis der Situation unserer Mitmenschen. Unsere Aufgabe ist zuerst: Tatsachen zu ermitteln und bekannt zu machen, das heisst unter anderem: die Verwaltung zu informieren, um ihr dadurch zu helfen und vorzuchlagen, wo sie veraendern und neu ansetzten muesste.
    So haben wir mit unseren Mitarbeitern drei Monate lang alle Bauern unseres Landkreises besucht. Damit hat sich das Bild  vervollstaendigt, neue Folgerungen ermoeglicht  und Wege zu ihrer Verwirklichung aufgezeigt. Im Moment sind wir dabei diese Daten auszuwerten und zusammenzufassen.

SEPTEMBER 2020

Liebe Schwestern und Brüder,
                                                          
Im Innern der Pfarrei von São Francisco haben wir eine kleine Kommunität am Ort „Vereda da Serra“. Die Kapelle entstand durch unsere Schule zur Alphabetisierung von Erwachsenen, die dort vor 45 Jahren täglich funktionierte. Der Patron dieser Gemeinde ist der „Bom Jesus da Lapa“, gemäß einem alten Brauch einiger Familien des Ortes. Das bezieht sich auf einen Wallfahrtsort im Innern von Bahia, etwa 1000 km entfernt von hier, am Ufer des Flusses „São Francisco“. An diesem Ort erhebt sich eine Felsenformation mit kleinen und großen Grotten. Im Laufe von rund 300 Jahren entstand dort dieser Wallfahrtsort. Große Mengen von Pilgern verehren dort den „Bom Jesus da Lapa“ und „Unsere liebe Frau der Schmerzen“. Ein älterer Bewohner dieser kleinen Gemeinde erzählte mir, dass sein Großvater vor rund 100 Jahren eine Wallfahrt nach „Bom Jesus da Lapa“ gemacht hat -das sind 1000Km hin und 1000km zurück-und alles zu Pferd. Mit dieser langen Reise erfüllte er ein Gelübde-eine Reise von 2-3 Monaten.

BERICHT ZUR CORONA-SITUATION IN BRASILIEN

Ich werde ein wenig berichten über das angeschnittene Thema. Aber es ist sehr komplex und lässt sich schwer zusammenfassen in einem Land mit kontinentalen Ausmaßen und einer 210-Millionen-Bevölkerung. Einige der größten Metropolen (São Paulo, Rio de Janeiro, Recife, Salvador, Belém, Manaus, Fortaleza usw.) liegen im Chaos - die medizinische Struktur bricht zusammen, und alle Krankenhäuser haben nicht genügend Betten für die Intensivstationen mit ihrer High-Technik. Alle berühmten großen Fußball-Stadien haben auf dem Spielfeld Notkrankenhäuser gebaut (in drei Wochen aus dem Boden gestampft). Aber die technischen Einrichtungen müssen aus dem Ausland eingeführt werden (bei dem lahmgelegten Flugverkehr).

20. Dezember 2019

Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland,

    vor einigen Tagen kam ich auf einer nächtlichen Rückfahrt nach São Francisco in schwere Bedrängnis. Ich musste über zwei Kilometer  durch tiefen Sand fahren. Da kam mir ein Lastwagen entgegen, und plötzlich standen wir uns gegenüber: keiner konnte in die seitlichen Sandberge ausweichen. Einer von beiden musste im Rückwärtsgang zurückfahren bis zu einem breiten und festen Untergrund. Das würde eine lange Strecke sein. Jeder wartete auf den anderen, bis mir klar wurde, dass ich es sein musste. Hinter mir war alles dunkel – ich konnte mich nur an der Fahrspur im Licht vor mir orientieren. Langsam fuhr ich rund einen Kilometer zurück, bis der Laster an mir vorbeikam.

23. November 2019

Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland,

Wir haben schwere Schläge eingesteckt in den letzten Tagen.

Zuerst war es ein schweres Verbrechen: ein Mann erstach seine schon von ihm getrennte Frau und erhängte sich danach. Der ganze Ort war fassungslos und erschüttert - hier sind alle miteinander verwandt.

Dann kam die Elisabeth-Wallfahrt: eine Liturgie, die in allen Einzelheiten vorbereitet war, mit vielen Darstellungen und Einlagen. Das Publikum wie immer: 15 bis 20 tausend Menschen. Als der Bischof seine Predigt begann, ging das Licht aus und ein Unwetter mit Blitz, Donner, Regen und gewaltigen Sturmböen ging auf uns alle nieder. Die ganze Menge stand klatschnass im Dunkeln und suchte dann ihre Fahrzeuge, um nach Hause zu fahren. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich war völlig sprachlos. Wenigstens gab es noch keine konsekrierten Hostien.

10.September 2019

Liebe Schwestern und Brüder,

zu meinem 82. Geburtstag habe ich mehrere liebevolle Grüße per Internet erhalten. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Es ist mir nicht möglich persönliche Briefe zu schreiben. Daher sende ich diesen Text an die Adressen aller Gratulanten.

17. JANUAR 2019

Liebe Schwestern und Brüder in Deutschland,

Ihnen und Ihren Familien sende ich zu Anfang dieses neuen Jahres einen herzlichen Gruß mit dem Wunsch, daß unser guter Vater im Himmel uns mit seinem Segen begleite.

Bei meinen Berichten spreche ich immer im Plural: „Wir“ – das sind rund 25 kleinere oder größere lokale Bauernvereine, die zu der „Franziskus-Vereinigung“ zusammengefasst sind. Es handelt sich um eine Rechtsperson, die von mir und meinen hauptamtlichen Mitarbeitern geleitet wird, außer einigen gewählten Freiwilligen, die ehrenamtlich ihre Aufgaben erfüllen. Die Statuten erklären, dass die „Fraternidade“ keine lukrativen Interessen hat. Aber wir müssen monatlich dem Finanzamt die Buchführung vorlegen und uns an die gesetzlichen Regelungen halten.

Weihnachten 2018

Liebe Schwestern und Brüder:

    Als die Portugiesen vor 518 Jahren Brasilien “entdeckten” und das Land mit seinen Bewohnern im Namen Jesu „eroberten“, brachten sie ausser ihren Waffen christliche Bilder, Riten und Gesetze mit. Unter den Bildern der Mutter Gottes gibt es eine Statue, die Maria hochschwanger darstellt. Als ich das entdeckte, wurde mir klar, was ein weiser Priester mir vor langer Zeit erklärt hatte: „In seinem ganzen Leben machte Jesus nichts anderes als ‚herabzusteigen“, bis auf den letzten Platz, den ihm niemand streitig machen kann.“